Du erfüllst Erwartungen.
Aber weißt du noch, welche deine sind?

Du sitzt da, und irgendetwas stimmt nicht. Alles läuft im Prinzip, wie es laufen soll. Du erledigst, was zu erledigen ist. Du erfüllst, was erwartet wird. Und trotzdem ist da dieses Gefühl, als würdest du an der Oberfläche eines Lebens kratzen, das irgendwie nicht ganz deins ist.

Es ist keine große Krise. Nichts Dramatisches.
Nur diese leise Stimme, die fragt: Warum tue ich das eigentlich?

Und dann kommt die unangenehme Erkenntnis: Du tust es, weil jemand anderes es von dir erwartet. Oder aber, weil du denkst, dass jemand es von dir erwartet. Was fast noch schlimmer ist. Weil du nicht einmal mehr unterscheiden kannst, ob die Erwartung real ist oder längst nur noch in deinem Kopf existiert.

Du hast dich so oft gefragt, was andere wohl denken würden,
dass ihre Stimmen mittlerweile lauter sind als deine eigene.


Es beginnt klein.
Du sagst „Ja“ zu einer Einladung, obwohl du weißt, dass du lieber zu Hause bleiben würdest. Du verfolgst ein Ziel, das beeindruckend klingt, aber innerlich für Dich leer bleibt. Du wählst den sicheren Weg, nicht weil er sich richtig anfühlt, sondern weil er sich erklärbar anfühlt.

Und Stück für Stück lebst du ein Leben, das vor allem eines ist:

akzeptabel.

Es geht nicht darum, dass du die Erwartungen anderer ignorieren solltest.
Das Problem ist, dass du irgendwann vergessen hast, was deine eigenen sind. Du hast so lange darauf geachtet, was gut ankommt, was richtig wirkt, was weniger angreifbar macht, dass die Frage nach dem, was du wirklich willst, sich anfühlt wie eine fremde Sprache.

Es ist nicht böse gemeint, von den anderen. Oft meinen sie es sogar gut. Sie wollen das Beste für dich. Sie sehen, was funktioniert hat für sie, und bieten es dir an wie eine Landkarte. Aber ihre Landkarte zeigt ihr Terrain, nicht deins.

Und du nimmst sie, weil es einfacher ist, als selbst einen Weg zu suchen.

Dann ist da dieser Moment, in dem du aufwachst.
Mitten in einem Gespräch. Oder morgens beim Aufstehen. Oder nachts, wenn du nicht schlafen kannst. Und du merkst: Das hier, fühlt sich nicht an wie mein Leben.

Es ist nicht falsch. Es ist nicht schlecht.
Es ist nur nicht deins.

Was wäre, wenn du einmal all die Erwartungen, die du so selbstverständlich mit dir herumträgst, auf den Tisch legen würdest? Nicht, um sie abzulehnen. Sondern, um sie anzuschauen. Um zu fragen:

Gehört das zu mir oder zu jemand anderem?

Welche dieser Erwartungen lebst du, weil du selbst dahinterstehst? Und welche nur, weil du Angst hast vor dem, was passieren könnte, wenn du es nicht tust?

Es ist kein Verrat, sich dieser Frage zu stellen. Es ist keine Rebellion. Es ist das Einfachste und Schwerste der Welt zugleich: zu unterscheiden zwischen dem, was du sein solltest, und dem, was du bist.

Manchmal merkst du es daran, dass etwas, das von außen großartig aussieht, sich von innen hohl anfühlt. Dass du den Applaus hörst, aber nichts davon in dir ankommt. Dass du Erfolg hast in etwas, das dich nicht berührt.

Und manchmal merkst du es daran, dass du anfängst, dich selbst zu rechtfertigen. Dass du mehr Energie darauf verwendest zu erklären, warum etwas richtig ist, als es einfach zu leben.

Die Wahrheit ist: Du weißt es.

Tief drinnen weißt du genau, wessen Erwartungen du gerade lebst. Du hast es nur unter so vielen Schichten von Vernunft und Anpassung begraben, dass du glaubst, es nicht mehr zu spüren.

Aber es ist da.
Es war immer da.

Die Frage ist nicht, ob du den Mut hast, alles über den Haufen zu werfen. Die Frage ist, ob du den Mut hast, ehrlich hinzuschauen. Nicht, um etwas zu verändern. Nur, um zu sehen.

Denn manchmal ist das der erste Schritt:

zu erkennen, dass das, was du lebst,
nicht zwingend das ist, was du leben willst.
 

Und dass das keine Katastrophe ist.
Es ist nur ein Anfang.

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