Diese Frage ist unangenehm. Deshalb ist sie wichtig. Sie touchiert einen wunden Punkt bei vielen Frauen, die ihre ganze Energie darauf verwenden, es anderen recht zu machen. Die Frage funktioniert wie ein Spiegel, der zeigt, wie viel Platz andere Menschen in unseren Gedanken, unseren Tagen und unseren Entscheidungen einnehmen. Und wie wenig für uns selbst bleibt.
Frauen, die sich angepasst haben, erleben bei dieser Frage oft etwas Paradoxes. Zunächst kommt die Angst. Die Angst, egoistisch zu sein. Die Angst, verletzt zu werden oder andere zu verletzen. Die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden. Dann folgt meistens eine Art Erleichterung, wenn sie sich erlauben, die Frage überhaupt zu denken. Als würde ein Ventil aufgehen, das lange zugedrückt war.
Es entsteht auch Wut. Stille, leise Wut auf die eigene Großzügigkeit, die sich mehr wie Selbstverleugnung anfühlt. Viele berichten von einem Gefühl der Verschwendung, wenn sie ehrlich mit sich sind. Verschwendung von Jahren, in denen sie ihre Grenzen nicht gekannt oder nicht verteidigt haben.
Gleichzeitig taucht eine andere Emotion auf, die schwerer in Worte zu fassen ist. Es ist etwas wie Sehnsucht. Die Sehnsucht nach dem Leben, das möglich wäre, wenn die Energie, die täglich für die Erfüllung fremder Wünsche aufgewendet wird, zur Verfügung stünde. Die Sehnsucht nach Leichtigkeit und nach der Person, die man sein könnte, wenn man nicht permanent nein sagen müsste, um überhaupt etwas für sich zu behalten.
Die Frage funktioniert auch deshalb, weil die Antwort für viele überraschend einfach ist. Die meisten wissen sofort, was sich verändern würde. Sie könnten endlich atmen. Sie hätten Zeit für die eigenen Träume. Sie würden nicht ständig schuldig fühlen, egal, was sie tun oder nicht tun. Sie würden aufwachen und den Tag mit sich selbst beginnen, nicht mit der Liste der Erwartungen anderer.
Die unbequeme Wahrheit ist nicht, dass es falsch ist, für andere da zu sein. Die unbequeme Wahrheit ist, dass du schon so lange aufgehört hast, dir selbst zuzuhören, dass die Vorstellung, damit anzufangen, sich wie Verrat anfühlt.